Andreas Landwehr bei der Arbeit auf dem Roten Teppich, Abflug Kanzlerin Angela Merkel von Tianjin, 2012

Andreas Landwehr:
30 Jahre dpa in Peking, 
Liberty Award 2011, 
Korrespondent in Washington
 

mit Paul Linnartz, Adenauer-Stiftung

Andreas Landwehr ist ein deutscher Journalist, der drei Jahrzehnte lang das Pekinger Büro der Deutschen Presse-Agentur (dpa) leitete und auch als Regionalchef Asien-Pazifik tätig war. Er war von 1993 bis 2023 für die Berichterstattung aus der Volksrepublik China, Taiwan, Hongkong und der Mongolei zuständig. Seit 2005 berichtete der Journalist zudem von G7- und G20-Gipfeln mit den Schwerpunkten Handel, Entwicklungspolitik, Klimaschutz und Asien.

 

Seinen ersten Kontakt mit China hatte Landwehr während seines Chinesisch-Studiums in Taipeh (1980-1982), als er ausgedehnte Reisen durch die Volksrepublik unternahm. Nach dem Sprachdiplom an der Universität Bonn begann er 1984 ein Volontariat bei der dpa in Düsseldorf. 1985 wechselte der Journalist in die Zentrale nach Hamburg, wo er zunächst als Redakteur im Auslands-, später im Inlandsressort tätig war - unter anderem zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung. Von 1990 bis 1993 berichtete er als Korrespondent aus Washington mit Schwerpunkt Verteidigungspolitik.

 

1993 zog Landwehr mit seiner Frau und drei kleinen Kindern nach China, um das dpa-Büro in Peking zu leiten. Seitdem begleitete er den Aufstieg Chinas zur zweitgrößten Volkswirtschaft und neuen Weltmacht aus nächster Nähe. Er berichtete über die erste freie Präsidentenwahl in Taiwan, den Tod Deng Xiaopings, die Rückgabe Hongkongs und Macaos an China, den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO), den SARS-Ausbruch 2003, die Olympischen Spiele 2008 und 2022, die Machtübernahme durch Xi Jinping und die Covid-19-Pandemie. Seit 2001 bereiste er mehrfach Nordkorea. 

 

In seiner Laufbahn interviewte er zahlreiche chinesische Spitzenpolitiker, darunter Jiang Zemin, Zhu Rongji und Wen Jiabao sowie Taiwans Präsidenten Chen Shui-bian und Ma Ying-jeou. Zudem stand er in engem Kontakt mit bekannten Bürgerrechtlern wie dem in Ungnade gefallenen Spitzenpolitiker Bao Tong, dem Künstler Ai Weiwei, dem Schriftsteller Liao Yiwu oder dem Aktivisten Hu Jia. 

 

Für seine journalistische Leistung erhielt Landwehr 2011 den Liberty Award der Reemtsma-Stiftung. Der Preis würdigt herausragende Auslandskorrespondenten, die sich in außergewöhnlicher Weise für die Freiheit einsetzen.

 

Neben seiner Korrespondententätigkeit leitete Landwehr ab 2013 die Region Ostasien und übernahm 2019 die Verantwortung für das gesamte Asien-Pazifik-Netz. 2023 kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete als Dienstleiter in der politischen Auslandsredaktion. 

 

Nach 40-jähriger Tätigkeit bei der dpa verließ Landwehr 2024 die Agentur und arbeitet heute als freier Autor in Berlin. Er schreibt seither unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), China.Table und die Nachrichtenagentur KNA. 

 

Im Januar 2027 erscheint sein Buch "Countdown Taiwan, Chinas Kampf um die neue Weltordnung und was für uns auf dem Spiel steht" (Heyne Verlag).  

Große Mauer bei Mutianyu

Vita
—

Journalist und China-Experte Andreas Landwehr bei der Verleihung des Liberty Awards 2011, Foto dpa

Liberty Award 

Andreas Landwehr erhielt 2011 den Journalistenpreis „Liberty Award“. Die Jury um RBB-Intendantin Dagmar Reim, Journalist Hajo Schumacher und Focus-Herausgeber Helmut Markwort lobte: „Landwehr ist ein Held des Alltags." Seit 1993 sei er für Freiheit und Menschenrechte im Einsatz. 

 

Seine Arbeit sei mit großem Risiko verbunden, sagte Jury-Sprecher Joachim Holtz. Landwehrs Risiko sei vor allem "die Täuschung durch Informanten, Behörden und die Polizei und eine ruchlose Konkurrenz." In seiner Laudatio charakterisierte er Landwehr als einen engagierten Journalisten, der Brillanz zeige „durch seine Meisterschaft auch in der knappen Form, durch die Kürze des Textes, in dem er dennoch Zusammenhänge herstellt, auf frühere Ereignisse, Entwicklungen und Koinzidenzen hinweist, durch eine klare Sprache und präzise Wortwahl." 

 

Landwehr, so Holtz weiter, trage "große Verantwortung wegen des Zeitdrucks, unter dem er Texte für viele Redaktionen und Rezipienten verfassen muss, original, korrekt, wahr." In China gebe es nicht viele deutsche Korrespondenten. Daher sei die dpa für Journalisten eine Art Leitorgan. "Seine Worte und Zitate, seine Daten und Sprach-Bilder und die von ihm dargestellten Kausalitäten und zitierten Aussagen finden sich später bei Abnehmern und Abschreibern wieder. Fehler wären daher unerträglich", sagte Holtz. 

 

Der Preis des Stiftung des Tabakunternehmens Reemtsma für herausragende deutschsprachige Auslandskorrespondenten wurde am 17. März 2011 in Berlin zum fünften Mal in einem Festakt vergeben.  (dpa)

Ai Weiwei, Peking

—
Ai Weiwei, Peking
—

Johsua Wong und Andreas Landwehr, Hongkong

Joshua Wong, Hongkong

Wu'er Kaixi und Andreas Landwehr, Taipeh

—
Wu'er Kaixi, Taipeh
—

Bürgerrechtler Fang Zheng

Fang Zheng, Aktivist und Opfer von Tian'anmen, Taipeh

Anson Chan und Andreas Landwehr

—
Anson Chan, Hongkong
—

Bao Tong, Ex-Sekretär von Parteichef Zhao Ziyang, Peking, Copyright Andreas Landwehr

Bao Tong, Ex-Sekretär des 1989 gestürzten Parteichefs Zhao Ziyang, Peking

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.